Widerstandsfähigen Antibiotika auf der Spur
Professor Dr. Jens-Michael Schröder von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein auf dem Campus Kiel erhält eine herausragende Förderung für sein Vorhaben, neuartige Antibiotika zu entwickeln, gegen die Krankheitserreger keine Resistenz entwickeln können. Die Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) unterstützt diese Arbeit des Biochemikers in den kommenden fünf Jahren mit der Höchstsumme von 1,25 Millionen Euro.


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Die DFG-Gutachter sahen Schröders Vorhaben als so spannend an, dass schon die Überprüfung dieser Idee an sich als lohnenswert eingestuft wurde. Im Erfolgsfall wären die gewonnenen Erkenntnisse medizinisch zur weltweiten Bekämpfung von Krankheiten sehr bedeutsam. „Wir möchten drei Hypothesen nachgehen, die wir unter den Stichworten ‚Nano-Nadeln‘, ‚Trojanische Pferde‘ und ‚neue Antibiotika‘ zusammenfassen“, sagt Prof. Schröder, „dahinter können sich die Antworten auf die Strategien verbergen, die die Bakterien entwickeln, um Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika auszubilden.“ Einige Krankheitserreger deaktivieren die Antibiotika durch Stoffwechselprozesse, andere entledigen sich der biologischen Wirkstoffe schnellstmöglich durch ‚Herauspumpen‘ oder nehmen sie gleich gar nicht mehr auf. Um diese Mechanismen zu unterbrechen folgt Prof. Schröder verschiedenen Ansätzen:
So könnten sich die Haut-Eiweiße durch Kontakt mit gefährlichen Bakterien in neuen, größeren Einheiten zusammenlagern - diese gleichen mikroskopisch kleinen Nadeln. Diese ‚Nano-Nadeln‘ würden die Krankheitserreger dann gleichsam erstechen.
Neben diesem mechanischen Ansatz verfolgt der Biochemiker auch eine an das Modell ‚Trojanisches Pferd‘ angelehnte Methode. Bei dieser Art der Bekämpfung von Krankheitserregern würden die Bakterien von der Haut abgesonderte Stoffe gleichsam ahnungslos aufnehmen, die sich erst dann in Antibiotika umwandeln und sie so von innen töten.
Schließlich folgt Schröder der Spur, dass die (Schleim-)Haut auf ihrer Oberfläche in Sekreten, Schleim und Schweiß besondere Antibiotika bereit zu halten scheint, die in den Bakterien eine Schwachstelle treffen und damit eine Resistenzbildung unmöglich machen.
Auch für die Arbeit der Krankenversorgung an der Kieler Hautklinik ist die außerordentliche Förderung der Arbeit von Prof. Schröder sehr wichtig. Hier werden deutschlandweit führend die Mechanismen chronischer Hautentzündungen erforscht und eine Vielzahl von Patienten innovativ behandelt. Die Beobachtungen und Entdeckungen von Prof. Schröder sind nicht nur von großem grundlagewissenschaftlichem Wert, sondern haben auch hohe praktische Relevanz. Prof. Schröder konnte aus Schuppen von Patienten mit Schuppenflechte (Psoriasis) erstmals ein körpereignes Antibiotikum isolieren, das in hohen Mengen in psoriatischer Haut produziert wird. Damit konnte erklärt werden, warum Patienten mit Schuppenflechte trotz der durch die Entzündung gestörten Hautbarriere nie an bakteriellen Superinfekten (also wenn sich auf einen Infekt ein zweiter aufsetzt) leiden - ein Phänomen, das Kliniker lange Zeit nicht verstanden haben.
Deutschlandweit wurden erst 20 der sogenannten „Reinhart Koselleck-Projekte“ der DFG ausgelobt. Unterstützt werden Wissenschaftler, die an hochinnovativen und risikobehafteten, im positiven Sinne „gewagten“ Studien arbeiten. Dies Projekte lassen sich nur skizzenhaft beschreiben, da der Projektverlauf noch weniger als sonst in der Wissenschaft üblich vorhersehbar ist. Gefördert werden nur Wissenschaftler, die über einen herausragenden wissenschaftlichen Lebenslauf und großes Potenzial verfügen. Das Förderprogramm ist extrem kompetitiv, es steht allen Wissenschaftsrichtungen offen. Die Förderdauer beträgt fünf Jahre. Für diese Zeit werden Mittel im Umfang von 500.000 Euro bis zu 1.25 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.
Für Rückfragen steht zur Verfügung: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Prof. Dr. Jens Michael Schröder, Tel.: 0431 597-1536 jschroeder@dermatology.uni-kiel.de
Verantwortlich für diese Presseinformation: Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, Haus 31, 24105 Kiel, Tel.: 0431 597-5544, Fax: 0431 597-4218 Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, Haus 1, 23538 Lübeck, Tel.: 0451 500-5544, Fax: 0451 500-2161 Mobil: 0173 40 55 000 E-Mail: oliver.grieve@uk-sh.de
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